Programm 2010 / TV-Serien

HORIZONTALES UND VERTIKALES ERZÄHLEN IN DER FERNSEHSERIE
Einstein-Saal, 17.15 - 18.30 Uhr

 

Werkstattgespräch

 

Seit einiger Zeit sind Fernsehserien ein beliebtes Thema auch in den Feuilletons deutscher Intelligenzblätter. Es scheint schick geworden zu sein, sich als »Serienjunkie« zu outen. Aber diese noch immer relativ neue Bekenntniswelle betrifft weniger die üblichen Brot- und Butterserien deutscher Herkunft als vielmehr die inzwischen unzähligen, aufwändig produzierten amerikanischen Edelserien von den »Sopranos« bis zu »MadMen«.

Viele dieser Serien verbindet die Tatsache, dass jene Erzählstränge, die innerhalb einer Folge abgehandelt werden (vertikal) gegenüber denjenigen vernachlässigt werden, die sich beispielsweise über eine gesamte Staffel erstrecken (horizontal). Der besondere Reiz dieser Erzählweise liegt darin, viel komplexer erzählen zu können. Autoren sind in der Lage, der Charakterisierung ihrer Figuren eine Tiefe zu geben, die bisher eher in epischen Formen wie dem Roman gesucht wurde.

Doch zugleich wird mittlerweile deutlich, worin die Nachteile bestehen. Zwar intensiviert sich die Bindung der Zuschauer an die betreffende Serie. Aber die Gefahr, hermetisch zu werden, ist besonders groß. Je geringer der episodische Anteil, desto schwieriger wird es für neu hinzukommende Zuschauer, in das Universum der Serie einzusteigen (24, Lost, Heroes ...).

Es ist daher wohl kein Zufall, dass die »Bekenner« ihre Lieblingsserien weniger in der Fernsehausstrahlung verfolgen als per Download aus dem Internet oder auf DVD. In der Serie komme das Fernsehen zu sich selbst, hieß es einmal. Bei stark von horizontalen Erzählsträngen geprägten Serien wird deutlich, dass das Fernsehen als Medium aber hier durch seine Programmstruktur auch an seine Grenzen gerät.

Im Gespräch mit den beiden Dramaturgen und Buchautoren Gunther Eschke und Rudolf Bohne wollen wir der Frage nachgehen, worin die Vor- und Nachteile des horizontalen Erzählens bestehen. Worauf müssen wir achten, wenn wir solche Serienkonzepte entwickeln? Gibt es einen Markt dafür in Deutschland? Wie ist die Erwartungshaltung deutscher Zuschauer?

 

GÄSTE:
Gunther Eschke, Dramaturg / Autor
Rudolf Bohne, Dramaturg / Autor (VeDRA)

 

MODERATION:
Dr. Rüdiger Hillmer (VeDRA)