Programm 2009 / Stoffentwicklung im Team

4.0 | Stoffentwicklung im Team

Club | 13.30 - 15.00 Uhr

Noch immer werden Filme häufig als das Werk eines einzelnen Künstlers oder Autors identifiziert. Doch in der Praxis hat sich die Entwicklung von Filmstoffen stark ausdifferenziert bis hin zu Teamlösungen wie dem »writers’ room«, bei denen Autoren und Dramaturgen auf gleichsam institutionalisierte Weise zusammen einen Stoff entwickeln. Wie sieht die Praxis dieser Stoffentwicklung im Team aus? Wie reagiert die Ausbildung auf diese neue Situation?

PANELDISKUSSION
Moderation: Norbert Maass, International Script and Sales Company (VeDRA)
Moderation: Volker Kellner, Producer, Ophirfilm (VeDRA)

Christian Wagner, Regisseur, Filmakademie Ludwigsburg
mit Studenten der Filmakademie Ludwigsburg

 

FilmStoffEntwicklung-2009 stoffentwicklung-im-team

 

Sehr lange galt die Idee zu Filmen und deren Entwicklung als das Werk einzelner Künstler oder Autoren. Das ist zum Teil auch immer noch so. Obschon bereits Casablanca, der beständig als einer der besten Filme aller Zeiten genannt wird, von einem Autorenteam (Epstein/Epstein/Koch) geschrieben wurde. Diesem frühen Vorbild gewissermaßen folgend, haben sich inzwischen viele Teamlösungen entwickelt oder ergeben, bei denen mehrere Beteiligte erheblichen Anteil an der Stoffentwicklung haben. Vom working couple oder Geschwister-Team, die auf eine sehr intensive persönliche Beziehung bauen können, über professionell arbeitende Teams, die für spezielle Projekte zusammengestellt werden, bis hin zu streng hierarchisch geordneten und vertikal aufgestellten Teams bei daily soaps.

Nicht nur im kommerziellen Mainstream-Film, sondern auch im künstlerisch anspruchsvollen Arthouse-Film wird auf Teamlösungen gesetzt: so könnte man sogar Andreas Dresens Halbe Treppe, beim dem sich die Schauspieler und das Team stark in die Ausgestaltung des rudimentären Drehbuchs einbrachten, durchaus auch unter dem Thema Stoffentwicklung im Team einreihen.

Bei so unterschiedlichen Spielarten der Teamzusammensetzung, scheint es nur folgerichtig und konsequent, auch in der Ausbildung und Lehre entsprechende Fähigkeiten bei den Studenten zu stärken und den Umgang mit dieser Form der Entwicklungsarbeit zu üben. Ein Musterbeispiel hierfür wäre z.B. der Ausbildungsstrang Development im Team an der Filmakademie in Ludwigsburg. Hier engagiert sich Regisseur Christian Wagner seit einigen Jahren dafür, dass die Studenten aus Regie, Produktion und Drehbuch gezielt ihre Stoffe gemeinsam entwickeln, untereinander systematisch besprechen und zusätzlich mit Profis weiter entwickeln.

In Ausbildung wie in der Praxis stellen sich dabei meist die gleichen, typischen Fragen und Probleme. Wie stark bzw. flexibel ist das Team strukturiert? Wie flach bzw. steil ist die Hierarchie? Wann ist Demokratie möglich, wann wäre eher Alleinherrschaft empfehlenswert? Oder welche Kombinationen dazwischen sind möglich? In welchem Arbeitskontext funktioniert z.B. die provokante These des Produzenten John Lasseter, der sich in einem Interview folgendermaßen zur Stoffentwicklung äußerte: Mal ist es genau so wichtig, was die Putzfrau sagt, mal nur, was ich sage.

Über ihre verschiedenen Erfahrungen und Probleme zu diesem heiß diskutierten und ebenso oft mit Euphorie wie mit Skepsis beäugten Thema, werden die Teilnehmer aus ihrer professionellen Praxis bzw. Lehre berichten.

 

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