Programm 2009 / Im Anfang war das Bild

2.2 | Im Anfang war das Bild

Piktoriale Stoffentwicklung und Kreative Dramaturgie

Raum 2 | 11.30 - 12.30 Uhr

Dieses illustrierte Seminar unternimmt den Versuch, eine Neue Dramaturgie für den Spielfilm, den Dokumentarfilm, den Hybridfilm zu entwickeln. Eine Piktoriale Dramaturgie, eine Visuelle Stoffentwicklung, die zuvorderst mit den Augen, mit der Kamera geschrieben wird. Und erst danach, im zweiten Arbeitsgang, eine Verschriflichung, eine Verbalisierung erfährt, eine Übersetzung aus der Bild-Sprache in die Wort-Sprache.

SEMINAR
Prof. Alfred Behrens, Autor/Regisseur, Prof. emer. HFF Konrad Wolf, Potsdam (VeDRA)
[Eine Veranstaltung von Prof. Alfred Behrens]

 

FilmStoffEntwicklung-2009 im-anfang-war-das-bild

 

Für den VeDRA-Newsletter sprach Marcus Patrick Rehberg mit Prof. Alfred Behrens über seine Anläufe zu einer neuen Poetik des visuellen Schreibens.

NL: Professor Behrens, in Ihrer Lehre bevorzugen Sie einen alternativen, visuellen Entwicklungsansatz von Geschichten. Wie können wir uns diesen vorstellen?

AB: Es handelt sich um eine piktoriale Dramaturgie, eine visuelle Stoffentwicklung, die zuvorderst mit den Augen, mit der Kamera geschrieben wird. Erst danach, im zweiten Arbeitsgang, eine Verschriftlichung, eine Verbalisierung erfährt, eine Übersetzung aus der Bild-Sprache in die Wort-Sprache.

NL: Wie sieht das konkret aus?

AB: In fünf Jahren der Arbeit im Studiengang Drehbuch / Dramaturgie an der HFF Potsdam-Babelsberg habe ich mehr als hundert Stunden Videomaterial gedreht für dieses New Visual Thinking / New Pictorial Teaching. Mit der Caméra-Stylo, meinem Kamerafederhalter,einer miniDV Kamera Canon XM-2 und mit meinem Telefon, meiner HandyCam SonyEricsson C 902. Parallel dazu sind etwa 1500 Fotos entstanden, als zusätzliches Arbeitsmaterial. Als Work In Progress gibt es mehrere halbfertige Laufbild-Montage-Varianten mit unterschiedlicher Länge. Im Rohschnitt existiert eine Varianten-Familie im Genre Essay-Film, es wächst eine zweite Varianten-Reihe heran im Genre Lehrfilm.

NL: Werden Sie bei Ihrem Seminar Ausschnitte zeigen?

AB: Davon gehe ich aus.

NL: Konsequenterweise geht auch Ihre Wissensvermittlung vom Bild aus, nicht vom Wort. Was genau erwartet die Teilnehmer?

AB: Dieses Illustrierte Seminar unternimmt den tastenden Versuch, eine Neue Dramaturgie für den Spielfilm, den Dokumentarfilm, den Hybridfilm zu entwickeln. Mein spielerischer Vorschlag wäre: Jeder Teilnehmer bringt eine ungeschnittene Lumière-Minute mit, ein videografisches 6o Sekunden-Porträt seines Arbeitszimmers, seines Schreibtisches, seines Blicks aus dem Fenster, seines Schattens oder seines Spiegelbilds.

NL: Ihr Tipp vorab an die Teilnehmer, die Ihren Vorschlag ausführen und sich mit einem visuellen Beitrag einbringen möchten?

AB: Nach 40 Jahren Schreib-Arbeit zwischen den Bildern glaube ich, sagen zu können: Wenn man einen Film schreiben will, dann ist es hilfreich, über das Erste Bild nachzudenken. Danach hilft es weiter, über das Zentrale Bild nachzudenken. Anschließend ist es nicht verkehrt, über das Letzte Bild nachzudenken. Mit dem Fotoapparat. Mit der Videokamera. Mit der Telefonkamera.

Prof. Alfred Behrens, Autor/Regisseur, Prof. emer. HFF Konrad Wolf, Potsdam (VeDRA)

 

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